Kleintierzüchter

Hase im Käfig
Foto René Arnold

Was bedeutet es Kleintierzüchter zu sein?

Der Begriff des Kleintiers hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Während er heute meist mit “Heimtier” gleichgesetzt wird, also Tiere meint, die ohne Nutzwert sind und prinzipiell in einer Mietwohnung gehalten werden können, war er vor wenigen Jahrzehnten noch die Bezeichnung für Nutztiere, die kleiner waren als Pferd, Rind und Schwein und auch von Nicht-Landwirten gehalten werden konnten, also Tiere von der Taube über den Hasen bis zu Ziege und Schaf.

Durch die Kleintierschauen in den Dörfern des Oderbruchs weht noch der Geist der alten Definition des Kleintiers: Wir sehen keine Meerschweinchen, Vogelspinnen und Kanarienvögel, sondern Hühner, Hasen und Tauben. Meist ältere Männer in grauen Kitteln stehen neben ihren Käfigen und präsentieren die Ergebnisse ihrer oft jahrzehntelangen Zuchtbemühungen. Wie prägen sich in diesen Beziehungen Mensch und Tier gegenseitig? Was erzählt uns das Tier über den Züchter und der Züchter über das Tier? Welche Rolle spielt die Landschaft und ihre Geschichte bei der Wahl der gezüchteten Tiere und bei der Auswahl ihrer Eigenschaften? In welchem Verhältnis stehen Charakter, (Vor-)Liebe, Schönheit, Tradition und Nutzwert? Steht praktischer Sinn oder Eigensinn im Vordergrund, und wer ist eigensinniger, das Tier oder der Züchter?

Diesen Fragen geht Fotograf und Kameramann René Arnold in Gesprächen mit Kleintierzüchtern des Oderbruchs auf den Grund. Deren Tonmitschnitte dienen als Audiospur für einen Film von ca. 10min Länge, in dem die Tiere, von denen die Rede ist, in sorgfältig komponierten Einstellungen beobachtet werden. Durch diese visuelle Konzentration auf die Tiere wird ihnen im Film eine eigene Stimme verliehen, die ihnen von Natur aus vorenthalten ist und die vielleicht im Einklang, vielleicht aber auch im Kontrapunkt zu den Aussagen der Züchter steht.

Den Film begleiten soll eine Ausstellung von Photographien, in der großformatige Einzelportraits von Züchtern zusammen mit einem ihrer Tiere zu sehen sein werden. Sie gibt den Züchtern ein Gesicht, während die visuelle Ebene des Films sich allein auf die Tiere konzentriert.