Speisesaal, verwandelt

Auschnitt Ausstellung

Eine Frau baut eine Kirche

1751/52, in nur zwei Jahren, ließ die Gutsherrin Caroline Marianne von Marschall in Gedenken an ihren verstorbenen Gatten Samuel von Marschall auf den Fundamenten der baufällig gewordenen Fachwerkkirche inmitten des Dorfes Altranft einen neuen Kirchenbau errichten. Im Speisesaal präsentieren wir die Inszenierung „Eine Frau baut eine Kirche“ von Antje Scholz und Lars Fischer zur Geschichte der Patronatskirche. Alte Baupläne, 10 Fotografien von Alex Schirmer und ein Künstlerbuch von Mathilde Scholz, alles arrangiert um den alten, zerschossenen Kirchenknopf, der 2004 abgenommen wurde, geben Einblicke in die wechselvolle Baugeschichte der Dorfkirche.

Raumarchiv: Den Link weitere Informationen zur Ausstellung Frisch und Wild bitte an den Beitrag im Archiv, wenn möglich.




Raum-Archiv

2022-23 „F(r)isch & Wild: Der Geschmack des Bruchs“

im Rahmen des Themenjahres 2022 von Kulturland Brandenburg „Lebenskunst“

Der ehemalige Fischreichtum des Oderbruchs ist legendär: alte Fanglisten um 1800 zählen von Aal bis Zwergstichling 47 in der Oder heimische Arten. Vom Wildbestand heißt es, dass Rothirsch, Wildschwein, Reh und Feldhase als Jagdwild dominierten. Dieser Reichtum hat die traditionelle Küche im Oderbruch beeinflusst. Und heute? Was lässt sich heute mit Fisch und Wild und mit Beilagen aus der Landschaft des Oderbruchs auftafeln? Was ist mit anderen Tieren? Drei Koch-Fotografen-Duos aus dem Oderbruch sind diesen Fragen nachgegangen, haben mehrgängige Gerichte zubereitet und auf sehr verschiedene Weise fotografiert. Es entstanden acht großformatige Fotografien für den Speisesaal im Schloss Altranft: klassisch, magisch, politisch. Wir „kosteten“ von den Bildern im Speisesaal, welcher eigens in ein entsprechendes Ambiente gekleidet wurde.

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2019-2022 Speisesaal, verwandelt, Zettelnotizen von 1876 bis heute im Altranfter Speisesaal.

Erinnerte Erlebnisse der Bewohner und Besucher in Kartons gesammelt von Christiane Wartenberg. An den Wänden erfolgte eine grafische Rekonstruktion der verschiedenen Entwicklungsphasen des Speisesaals – von den Grafen Hacke über die Zeit der Eschenbachs und des DDR-Kulturhauses bis zum Freilichtmuseum Altranft und zum gegenwärtigen Oderbruchmuseum.

In der Laufzeit arbeitete Wartenberg jede Woche einen Tag im Speisesaal, führte Interviews und kam mit den Besuchern ins Gespräch. So wurde die Geschichte des Raums und seines Mobiliars nach und nach verdichtet.

Im dritten Jahr ging die dreijährige Intervention mit „Der Speisesaal in Blumenpracht“ in ihre abschließende Phase. Die Ortwiger Künstlerin präsentierte die Loose-Art-Bücher, die in den letzten Jahren in Auseinandersetzung mit der Geschichte des Altranfter Schlosses entstanden waren und schloss – unterstützt von unserer Besucherbetreuerin Barbara Strenzel – mit Blumensträußen an die Gewohnheit von Else Eschenbach an, das Herrenhaus mit Blumen freundlich und einladend zu machen.


2018 Zwischenraum – Eine Rauminstallation von Kerstin Baudis

Innen und außen, Haus und Landschaft, arm und reich – alles ist verbunden.

Zum Jahresthema Landwirtschaft 2018 ging die Künstlerin Kerstin Baudis der Frage nach, wie die Landnutzung in und um Altranft die Kulturlandschaft und das Miteinander der Menschen in der Zeit verändert hat. Sie sprach mit den Menschen im Ort, erkundete die Landschaft, recherchierte. Im Ergebnis baute sie in den herrschaftlich eingerichteten Zimmern des Schlosses mit dem vorhandenen Mobiliar begehbare Zwischenräume, die Verlust und Gewinn kulturlandschaftlicher Dynamik aufscheinen lassen.

In vier Interventionen im Schloss thematisierte sie die verschiedenen Facetten gutsherrlicher Landwirtschaft – von der Reichtumsproduktion über Armut, Flucht und Gegenwart – und fand im Fischerhaus Möglichkeiten für gestalterische Pendants. So wie im Herrenzimmer des Schlosses sichtbar wurde, dass der Reichtum durch die Landarbeit ausgeschwitzt wurde, konnte man nun auch im Landarbeiterhaus sehen, wie das Tafelsilber durch die Esse der schwarzen Küche entwich und welche Arbeitszeit in einem Scheffel Korn steckte. Die Arbeit von Kerstin Baudis handelte aber nicht primär von sozialer Ungerechtigkeit, sie stellte vor allem den Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Teilen des Museums her. Das Außen spiegelt sich im Innen, das Innere wurde nach außen gekehrt. So entstand die Wahrnehmung eines Zwischenraums.

Für die Entwicklung des Museums war Kerstin Baudis‘ Arbeit sehr wertvoll. Nicht nur bereicherte sie das Jahresthema um viele interessante Rauminstallationen, sie gab dem Museum auch einen Impuls für den weiteren mutigen Umgang mit den Räumen, die in der Zeit des Freilichtmuseums entstanden waren. Ihren Charakter zu respektieren, trotzdem aber eigene Fragen und Nutzungen einzutragen, das ist seither an vielen Stellen gelungen.