100 Dinge Oderbruch

Reuse aus dem Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg

Wie wir versuchen, Soldatenstiefel zu digitalisieren, um das Kulturerbe des Oderbruchs für die Nachwelt zu sichern. 

Heimatstuben und Dorfmuseen sind unersetzliche und oft unterschätzte Orte, an denen Menschen ihre Geschichte erzählen. Ob Kriegs- oder Friedenszeiten, landwirtschaftliche oder industrielle Entwicklung, Reichtümer oder Alltagsgegenstände – in privaten und ehrenamtlich betriebenen Sammlungen steckt ein Teil des regionalen Selbstbewusstseins. Doch ist dieses Erbe gefährdet. Das Schicksal dieser kleinen Museen liegt oft in wenigen Händen, die Betreiber werden älter, die konservatorischen Bedingungen sind oft mangelhaft, die kuratorischen Möglichkeiten, die Sammlungen aufzuschließen, sind begrenzt. Häufig fehlt es zudem an Nachwuchs, Anerkennung und am öffentlichen Interesse. 

Mit dem Projekt „100 Dinge Oderbruch“ soll im Rahmen einer Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg jetzt ein Versuch unternommen werden, wenigstens einen Teil dieses Kulturerbes zu bewahren und einen Augenschein auf die Situation der Dorfmuseen zu werfen. Denn wir sind überzeugt davon, dass diese Institutionen einen sehr großen Anteil an der Selbstbeschreibung der Oderbrüchler haben und sie auch Zugezogenen ein Heimatgefühl vermitteln können. 

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten.“

Wilhelm von Humboldt 

„100 Dinge Oderbruch“ digitalisiert kulturgeschichtlich interessante Objekte aus den kleinen Heimatstuben und Dorfmuseen des Oderbruchs. Innerhalb unseres Kulturerbe-Netzwerkes wurden diese Museen aufgerufen, entsprechende und für das Oderbruch aussagekräftige Objekte auszuwählen. In einem ersten Schritt wurden diese Objekte gesammelt und ihre Geschichte in Notizen festgehalten. Am Oderbruchmuseum trafen wir dann mit einem professionellen Museologen eine engere Auswahl von Objekten mit einem hohen Aussagewert. 

Was dort zusammenkam! Wahre Schätze an Geschichten, wie sie nur im Oderbruch erzählt werden können und werden. Wie die alten Soldatenstiefel, welche nach dem Krieg auf dem Feld gefunden wurden: Angesichts eines harten Winters schüttelte der Bauer die Zehenknochen des armen Gefallenen heraus, nagelte sie auf Holzsohlen und machte sie seinem Sohn zum Geschenk.

Oder der so genannte Koppespaten des, ein Prototyp des Agrarpioniers Johann Gottlieb Koppe (1782-1862) um die Rübenernte im harten Oderbruchboden zu erleichtern, welcher aber schnell vom ikonischen Rübenheber abgelöst wurde 

Lars Fischer hilft bei der Objektvorbereitung

Die Objekte indes bleiben vor Ort, in den manchmal nur schwer zugänglichen Dorfsammlungen, aber dort vor Ort werden sie momentan aufwendig fotografiert und sorgfältig beschrieben. Alle Daten, die wir für die Objekte finden können, werden in Datenbanken wie museum-digital.de, Deutsche Digitale Bibliothek und Europeana eingepflegt und einem internationalen Publikum zur Verfügung gestellt. So können Forscher und Interessierte das reichhaltige Kulturerbe des Bruchs auf einen Blick erfassen. 

Aber nicht nur am Computer sollen die Menschen in diesen regionalen Sammlungshorizont eintauchen können. Momentan arbeiten Das Team an einer künstlerischen Umsetzung, um diese digital-ätherischen Inhalte auch am Museum erlebbar zu machen. 

Natürlich können 100 Objekte nur ein Anfang sein, das gefährdete Erbe unserer Dorfmuseen angemessen digital zu sichern. Wir gehen davon aus, dass das Projekt in diesem Jahr nur seinen Anfang nahm und in den nächsten Jahren kontinuierlich ausgebaut werden kann. Nicht nur nebenbei haben wir deshalb einen Fragebogen erarbeitet, mit dem wir die institutionelle Situation der Museen und Sammlungen dokumentieren, sodass das Oderbruchmuseum mit Museumsverband an einer Erfassung der regionalen Einrichtungen arbeiten und der weitere Förderbedarf ermittelt werden kann. 

Aalreuse aus dem Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg