9. Juni 2019 - Kooperation

Ein preußischer Polizeihauptmann in Japan

Friedrich Wilhelm Höhn.
Eine Spurensuche 1885-91
Ausstellung von Beate Wonde von der Mori-Ôgai-Gedenkstätte der Humboldt-Universität

Polizeireformen sind keine Erfindung der Neuzeit. Wer immer vor solch einer Aufgabe stand, tat gut daran, über den eigenen Tellerrand zu schauen und sich an Erfahrungen anderer Länder zu orientieren - wie Japan im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das ferne Inselreich stand damals nach nahezu zweihundertjähriger Abschließung vor der Herausforderung, sich binnen weniger Jahrzehnte in einen modernen Nationalstaat zu verwandeln. Zu dem als Meiji-Restauration bezeichneten gewaltigen Reformpaket gehörte auch die Umgestaltung des Polizeisystems.
Die Ausstellung  macht auf die Rolle des 1839 in Güstebiese im Oderbruch geborenen Sohnes eines Ölmüllers und Berliner Polizeihauptmanns Friedrich Wilhelm Höhn bei der Reorganisation des Polizeisystems in Japan nach preußischem Muster aufmerksam. Von Zeitgenossen wurde dieser sogar als „Vater der japanischen Polizei“ bezeichnet.
Im Tokyoter Mimeguri-Schrein erinnert noch heute ein 1894 errichteter drei Meter hoher Gedenkstein an den Einsatz Höhns als ausländischer Lehrer und Berater. Laut Inschrift hat er an der Tokioter Polizeischule im Dienste des japanischen Innenministeriums vier Jahrgänge mit insgesamt 553 Schülern ausgebildet –  höhere Polizeioffiziere aus verschiedensten Präfekturen. Seine Vorlesungen über das preußische Polizeiwesen, damals von sechs Dolmetschern übersetzt, liegen auf Japanisch in Buchform vor, wie auch die Aufzeichnungen seiner ausgedehnten Inspektionsreisen durch ganz Japan. Im Polizeipräsidium in Fukuoka wird ein Dokument verwahrt, welches beweist, dass die Beibehaltung des Systems der als kôban bezeichneten kleinen Polizeistationen mit Bürgernähe, die für ihren Service gerade auch für ausländische Reisende weit über Japan hinaus bekannt sind, auf die damalige ausdrückliche Fürsprache F. W. Höhns zurückgeht. 70 Jahre lang galt der Nachlass Höhns als verschollen. Einige von Höhns Dokumenten konnten jetzt in der Polizeihistorischen Sammlung Berlin wiederentdeckt werden, wohin sie 1990 aus Privatbesitz gelangt waren. Neben Fotos der Japan-Zeit enthält der Fund drei Dienst-Reisetagebücher sowie Dokumente aus Höhns dortigem Alltag, zum Beispiel die Auflistung seiner in Japan zurückgelegten Kilometer und Rechnungen für aus Deutschland eingeführte Konserven und Würste, da Höhn das japanische Essen nicht bekam. Die Ausstellung macht mit dem Wirken und den Spuren dieses in der Geschichte deutsch-japanischer Beziehungen bislang kaum bekannten Berlin-Brandenburgers in Japan vertraut.
Die Eröffnung findet am 9. Juni, Pfingstsonntag, um 14 Uhr im Beisein der Ausstellungsmacherin am
Oderbruch Museum Altranft in der Patronatskirche statt.

9. Juni · 14 Uhr · Patronatskirche am Dorfanger · Eintritt frei
Die Ausstellung ist anschließend innerhalb der Öffnungszeiten des Museums bis zum 4. August zu sehen.

© oderbruch museum altranft

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